Menschenrechte
EU-Menschenrechtskommissar kritisiert Asylpolitk
Berlin (epd). Der Menschenrechtskommissar des Europarates, Thomas Hammarberg, hat zu Beginn seines Deutschland-Besuchs den Bundestag aufgefordert, endlich die Europäische Sozialcharta und das Zusatzprotokoll Nr. 12 der Europäischen Menschenrechtskonvention zu ratifizieren. Die Anerkennung würde das Ende der Duldungspraxis von Flüchtlingen bedeuten, die Menschenrechtsinititaiven seit Jahren kritisieren.
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Der Menschenrechtskommissar des Europarates, Thomas
Hammarberg, hat die Praxis der Aufenthaltsduldungen durch die
deutschen Ausländerbehörden kritisiert. Die betroffenen Flüchtlinge
und Zuwanderer kämen dadurch oft in eine menschlich sehr schwierige
Situation, sagte der frühere schwedische Diplomat am Mittwoch dem epd
in Berlin. Anstatt sehr vielen Menschen auf Jahre hinaus immer wieder
neue Duldungen auszusprechen, sollten Bund und Länder die Erteilung
von Aufenthaltserlaubnissen «in geordnete Bahnen lenken».
Hammarberg forderte die Bundesrepublik außerdem auf, mehrere
Menschenrechtskonventionen anzuerkennen. So habe Deutschland etwa die
1996 revidierte Europäische Sozialcharta nicht ratifiziert. Darin
sind unter anderem das Recht auf Wohnung, auf Schutz vor Armut,
sozialem Ausschluss und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz sowie
auf unentgeltlichen Schulunterricht verankert.
Zudem müsse Deutschland das Zusatzprotokoll Nr. 12 der Europäischen
Menschenrechtskonvention anerkennen, das Behörden Diskriminierung
ausnahmslos verbietet. Nach Angaben des Bundesjustizministeriums
betreffen die Bedenken der Bundesregierung hier «insbesondere das
Beamten, Sozial-, Ausländer- und Asylrecht».
Hammarberg, der seit April 2006 im Amt ist, hält sich seit Montag zum
ersten offiziellen Besuch eines Menschenrechtskommissars des
Europarats in Deutschland auf. Dabei traf er am Mittwoch unter
anderem mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)
zusammen und besuchte die Abschiebehaftanstalt Berlin-Köpenick. Die
dortigen Haftbedingungen werden von Flüchtlingsinitiativen seit
Jahren kritisiert.
Im Frühjahr 2007 will der Menschenrechtskommissar einen
abschließenden Lagebericht zu Deutschland vorlegen. Die
Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied in dem in Straßburg ansässigen
Staatenbund von insgesamt 46 Ländern.
(Donnerstag, 12.10.)
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