Transparente Zivilgesellschaft
Vereine und Verbände sollen Finanzen offenlegen
Berlin (epd). In den gemeinnützigen Sektor Deutschlands soll nach dem Willen von Nichtregierungsorganisationen mehr finanzielle Transparenz einziehen. Unter Federführung von Transparency Deutschland wurde ein Zehn-Punkte-Fragenkatalog entwickelt, mit dem Vereine, Stiftungen und Verbände ihre Ziele, die Herkunft ihrer Mittel, ihre Verwendung und wer darüber entscheidet, offenlegen.
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«Diese Informationen, die bisher
nur der Stiftungsaufsicht oder dem Finanzamt zugänglich waren, werden
so auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt», sagte Karina
Schröder von Transparency am Mittwoch in Berlin.
Mit der «Initiative Transparente Zivilgesellschaft» solle das
Vertrauen in den gemeinnützigen Sektor gestärkt werden, sagte
Schröder. Es gebe immer wieder Fälle von Instransparenz und
Misswirtschaft, die für die Branche Schaden anrichten. So ermittelt
etwa die Staatsanwaltschaft in Berlin aktuell gegen mehrere
Geschäftsführer gemeinnütziger Sozialunternehmen wegen des Verdachts
der Untreue. Problematisch sei auch, wenn Organisationen nicht
erkennen lassen, wer sie finanziert und wessen Interessen sie
vertreten, fügte Schröder hinzu.
Zum Trägerkreis der Initiative gehören neben Transparency der
Bundesverband Deutscher Stiftungen, der Deutsche Fundraising-Verband,
der Deutsche Kulturrat, das Deutsche Zentralinstitut für soziale
Fragen (DZI), der Deutsche Spendenrat, der Deutsche Naturschutzring,
der Verband Entwicklungspolitik Deutscher
Nichtregierungsorganisationen (VENRO) sowie das Maecenata-Institut.
Nach Angaben der Initiatoren gibt es in Deutschland derzeit rund
590.000 Vereine und 17.400 Stiftungen. Der gemeinnützige «dritte
Sektor» erwirtschafte in Deutschland sechs bis sieben Prozent des
jährlichen Bruttosozialprodukts und sei damit ein bedeutender
Wirtschaftszweig.
Die gewünschten zehn Informationen ließen sich auch für kleine
Vereine und Organisationen in einem einheitlichen Format leicht
zusammenstellen, weil sie sowieso jährlich an das Finanzamt berichtet
werden müssen, sagte Schröder. Will sich eine Organisation an der
Initiative beteiligen, muss sie die geforderten Auskünfte auf ihrer
Internetseite gut sichtbar mit dem Logo der Initiative verknüpfen.
Auf der Internetseite www.transparente-zivilgesellschaft.de ist zudem
eine Liste aller unterzeichnenden Organisationen veröffentlicht.
Bislang haben sich 26 Organisationen der Initiative angeschlossen.
Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem World Vision
Deutschland, Ärzte ohne Grenzen, Reporter ohne Grenzen, die Stiftung
Nord-Süd-Brücken, der Berliner Landesverband des Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes und der Deutsche Caritasverband. Die Diakonie
fehlt bisher, werde aber indirekt durch den Deutschen Spendenrat
vertreten, wie Spendenrat-Vorstand Wolfgang Stückemann betonte.
Stückemann begrüßte die Initiative, weil sie besonders auch kleinen
Akteuren mit wenig Aufwand mehr Transparenz ermögliche. Der
Spendenrat selbst stelle an seine Mitglieder bereits seit 1993 sehr
viel umfangreichere Anforderungen.
Der Generalsekretär des Deutschen Naturschutzrings, Helmut
Röscheisen, betonte die Wichtigkeit der Initiative auch im
europäischen Kontext. Da seit den EU-Lissabon-Verträgen europaweite
Referenden möglich sind, müsse durch «absolute Transparenz» die
Seriosität der Initiatoren möglicher Volksentscheide sichergestellt
werden. Ansonsten könnte sich beispielsweise die Industrie durch
Tarnorganisationen dieses Instrumentariums bedienen, sagte
Röscheisen.
Initiative Transparente Zivilgesellschaft
Nach Spendenskandalen: Initiative will mehr Transparenz der Zivilgesellschaft
(Mittwoch, 23.06.)
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