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Protest in Berlin

Caritas zieht «Armutsgrenze» am Brandenburger Tor

Berlin (epd). Mit einer symbolischen Grenzziehung am Brandenburger Tor haben Caritas und Nationale Armutskonferenz gegen die steigende Armut in Deutschland protestiert. Die beiden Verbände kritisierten bei der Aktion in Berlin vor allem das Sparpaket der Bundesregierung als sozial ungerecht.


Bild zur Nachricht
Der bange Blick über die Armutsgrenze (Foto: DCV / Boos)

Es sei inakzeptabel, dass der Rotstift gerade bei jenen angesetzt werde, die schon lange keine Reserven mehr hätten, sagte Caritas-Präsident Peter Neher.

Ein roter Streifen quer über den Pariser Platz symbolisierte die «Armutsgrenze». Dahinter stellten sich Betroffene und Verbandsvertreter in weißen T-Shirts auf, auf denen stand: «Ich bin arbeitslos und arm. Fragen Sie mich.» Arme Menschen spürten in ihrem Alltag häufig Grenzen, sagte Neher. Kinder könnten nicht an Klassenfahrten teilnehmen. Arme Menschen gingen häufig nicht wählen, weil sie nicht mehr das Gefühl hätten, etwas bewirken zu können. «Armut spaltet unsere Gesellschaft», kritisierte der Chef des katholischen Sozialverbandes.

Anstatt der geplanten Einsparungen bei den Schwachen forderte Neher eine Finanztransaktionssteuer, eine gerechte Gestaltung der Erbschaftssteuer und eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Die Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen müsse zurückgenommen werden.

Der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, Wolfgang Gern, nannte die wachsende Armut in Europa einen Skandal. «Wir brauchen mehr Protest», sagte Gern. Das Sparpaket sei ungerecht, weil es Eigenverantwortung gerade für jene bedeute, die sie am wenigsten tragen könnten. Er forderte einen Runden Tisch gegen Armut.

In Deutschland leben der Caritas zufolge fast sieben Millionen Menschen von staatlicher Unterstützung. Davon sind 2,3 Millionen länger als ein Jahr arbeitslos. 14 Prozent der Bürger seien in diesem Jahr armutsgefährdet. Im vergangenen Jahr waren drei Millionen Haushalte nicht mehr in der Lage, ihre Schulden abzubezahlen.

Die Aktion unter dem Motto «Ich will raus aus der Armut..» ist Teil der nationalen Veranstaltungen in dieser Woche zum Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung.

www.zeropoverty.de


(Mittwoch, 23.06.)

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