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Griechenland

Ärzte ohne Grenzen müssen Hilfe einstellen

(Ärzte ohne Grenzen). Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat ein Projekt zur medizinischen Versorgung von Bootsflüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos schließen müssen. Zur Begründung hieß es, das "begrenzte und unregelmäßige Engagement" der Behörden behindere die Arbeit der Mediziner.


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Ärzte ohne Grenzen hat die griechischen Behörden dazu aufgerufen, mehr Verantwortung für die Bootsflüchtlinge auf der Insel Lesbos zu übernehmen. Gleichzeitig gab die Organisation die Schließung ihres Projektes im dortigen Lager bekannt. "Das begrenzte und unregelmäßige Engagement der Behörden behinderte unsere Bemühungen, die medizinische Versorgung sicherzustellen und die Lebensbedingungen in dem Lager zu verbessern", sagte Landeskoordinator Yorgos Karagiannis am Dienstag in Athen. Unter diesen Bedingungen kann das Projekt nicht weitergeführt werden. Die Behörden müssen umgehend eine Verbesserung der Lebensbedingungen und der medizinischen Hilfe garantieren. Ärzte ohne Grenzen hat vier Monate auf Lesbos gearbeitet.

"Mehrmals mussten die medizinischen Teams Patienten durch Gitterstäbe hindurch behandeln, da die Inhaftierten ihre Zellen nicht verlassen durften", berichtete Karagiannis. "Es dauerte drei Monate und bedurfte Druck von Ärzte ohne Grenzen und anderen Akteuren, bis den Lagerinsassen erlaubt wurde, regelmäßig den Innenhof zu nutzen, bis dem Lager ein weiterer Arzt zugewiesen wurde und bis grundlegende Instandhaltungsmaßnahmen begonnen wurden. Die einfachen technischen Arbeiten, die wir durchgeführt haben, hätten die Lebensbedingungen wesentlich verbessert. Doch die Behörden konnten nicht einmal minimale Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten garantieren. Noch immer sind Frauen, Minderjährige und Kinder gemeinsam mit Männern unter inakzeptablen Bedingungen eingesperrt, ohne Rücksicht auf ihre speziellen Bedürfnisse."

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen hatten ihre Arbeit im Juni dieses Jahres aufgenommen, nachdem eine Evaluierung ergeben hatte, dass es im Lager an medizinischer und psychologischer Unterstützung mangelte und die Menschen unter extrem schlechten Bedingungen lebten. Das Team leistete medizinische und psychologische Hilfe für die vor allem aus Afghanistan, Somalia und den Palästinensischen Autonomiegebieten stammenden Migranten, die vor Krieg, Gewalt, Hunger und extremer Armut geflohen waren.

Bis August 2008 sind auf Lesbos nach Angaben der Polizeibehörde 6.863 Flüchtlinge aufgegriffen worden. Damit hat die Zahl der inhaftierten Migranten bereits die des Vorjahres (6.147 Menschen) überschritten. Trotz des eingeschränkten Zugangs konnte Ärzte ohne Grenzen insgesamt 1.202 Patienten behandeln. Die meisten von ihnen litten an Atemwegs- oder Hauterkrankungen. Außerdem leisteten die Teams psychologische Hilfe für Migranten mit Angstzuständen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Depressionen. Es wird geschätzt, dass die Zahl der behandelten Patienten doppelt so hoch gewesen wäre, hätten die Teams freien Zugang zu den Betroffenen gehabt.

Ärzte ohne Grenzen betreibt im Mittelmeerraum medizinische Hilfsprogramme für Migranten unter anderem in Patras (Griechenland), Italien, Marokko sowie auf Malta.

Weitere Informationen: www.aerzte-ohne-grenzen.de


(Dienstag, 30.09.)

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