Studie zum Wahlverhalten
Wähler belohnen soziales Engagement
(Mehr Demokratie NRW). Wenn die Wähler können, wählen sie bei Kommunalwahlen gerne Politiker, die sich durch soziales Engagement vor Ort hervorgetan haben. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie, die die Initiative Mehr Demokratie heute in Düsseldorf vorgestellt hat.
Der Verein hat in einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderten Studie die
Auswirkungen der Kommunalwahlregeln in verschiedenen Bundesländern untersucht.
Nordrhein-Westfalen ist dabei zusammen mit Berlin und dem Saarland eines der
letzten Länder, in dem die Wähler bei Wahlen zu Stadtrat nur eine Stimme haben. In
allen anderen Bundesländern können die Bürger die von ihnen favorisierten
Kandidaten gezielt auswählen.
Die Bürger haben so etwa in Baden-Württemberg und Bayern schon seit mehr als 50
Jahren die Möglichkeit, mehrere Stimmen auf einen Kandidaten zu konzentrieren oder
Stimmen auf Bewerber verschiedener Parteien zu verteilen. Durch dieses "Kumulieren
und Panaschieren" genannte Wahlrecht können die Wähler die Reihenfolge der
Mandatsbewerber auf den Vorschlagslisten der Parteien noch einmal ändern.
Entsprechend unterschiedlich sind die Einflussmöglichkeiten, die die Bürger bei
Kommunalwahlen haben. In Hessen hat jeder fünfte gewählte Politiker seine Wahl der
gezielten Förderung durch die Wähler zu verdanken, so Daniel Schily,
Landesgeschäftsführer von Mehr Demokratie. Fanden sich diese Mandatsbewerber
zuvor auf aussichtslosen Listenplätzen ihrer Parteien, wurden sie durch die Wähler
nach oben katapultiert und konnten so in die Räte einziehen.
Die Studie widerlegt auch gängige Vorurteile, wonach insbesondere Populisten und
Honoratioren von diesem kandidatenbezogenen Wahlrecht profitieren. Die Wähler
belohnen Kandidaten, die sich durch lokale Verankerung und politisches, soziales oder
kulturelles Engagement hervor getan haben, erläuterte der Sozialwissenschaftler
Klaus Hofmann als Autor der Studie eines der Untersuchungsergebnisse.
Es ist schade, dass sich die Politiker in NRW den Lohn für ihren Gemeinwohl-Einsatz
nicht auf diese Art von den Wählern abholen können, bedauerte Schily. CDU, SPD
und FDP im Landtag lehnen die Einführung von Kumulieren und Panaschieren als
Wahlrecht in Nordrhein-Westfalen ab. Deshalb hat Mehr Demokratie im März eine
Volksinitiative zur Einführung dieses Wahlsystems gestartet. Damit sich der Landtag
mit dem Anliegen befasst, müssen rund 66.000 Bürger den Gesetzentwurf des Vereins
unterschreiben. Bisher haben sich rund 21.000 Bürgerinnen und Bürger in die Listen
eingetragen.
www.neues-wahlrecht.de
Studie "Wahlrecht und Gewählte"
(Mittwoch, 08.08.)
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